EU will Pflichtquote für Autos einführen: die Zukunft des Autos- komplett elektrisch?

Die IAA in München hat bereits gezeigt: herkömmliche Benziner oder Diesel waren kaum noch auf der größten internationalen Automesse Deutschlands vertreten. Stattdessen fokussieren sich Hersteller nun auf E-Autos. Der dafür benötigte Strom soll auch komplett aus CO2-frei hergestellt werden. Wie realistisch ist das?

Rund 260 Millionen Verbrenner sind auf europäischen Straßen unterwegs. Bis 2030 sollen, laut der neuen Erneuerbaren-Energie-Richtlinie- Strom und Wärme zu 42,5% aus erneuerbaren Energien bezogen werden. Auch der Verkehrssektor ist von diesen Plänen betroffen. So sollen 5,5% aller Kraftstoffe Biosprit oder E-Fuels sein. Für synthetische E-Fuels ist ein Mindestgehalt von einem Prozent geplant. Umgesetzt werden soll das alles europaweit in den nächsten 24 Monaten.

Ein strammes Ziel, wenn man bedenkt, dass mehrere Fragen noch nicht geklärt sind. Wären alle PKW in Deutschland elektrisch, so müsste das Stromnetz mehr als 100 Terrawattstunden Strom (ein Sechstel des kompletten deutschen Verbrauchs) sofort zusätzlich zur Verfügung stellen. Bisher werden 49,8% des Stroms aus erneuerbaren Energien hergestellt, 43,5% aus fossilen Quellen und die restlichen 6,7% aus Kernenergie.

Hinzukommt, dass die Verteilung des Stroms ein mindestens genauso kompliziertes Unterfangen sein wird, wie dessen Erzeugung. Rund 14000 Kilometer neuer Stromleitungen sind geplant, um das deutsche Netz mit grünem Strom zu versorgen. Da erneuerbare Energien oft an Orten produziert wird, wo sie nicht verwendet werden, wie beispielsweise auf hoher See, muss das Stromnetz dringend ausgebaut werden, sollte sich die Anzahl der Elektroautos erhöhen.

Aber da eröffnet sich ein weiteres Problem: sollten zu viele Elektroautos in einem Gebiet gleichzeitig laden, droht eine Überlastung. Auch deswegen ist ein Ausbau des Stromnetzes unabdingbar. Um dies zu verhindern, ist im Gespräch, die Leitungen in Spitzenzeiten zu drosseln, sodass die Fahrzeuge langsamer laden. Dies soll zwar nur die Ausnahme sein, mit begrenzter Dauer und einer garantierten Mindestleistung- zeigt aber deutlich, dass noch keine nachhaltigen Lösungen erarbeitet wurden. Solange diese Fragen nicht geklärt sind, wäre der Wechsel, wie er jetzt geplant ist, unverantwortlich und würde ein Chaos nicht nur im Verkehrssektor, sondern im gesamten Stromnetz garantieren.

Auch ist die Frage der Nutzbarkeit und Reichweite von E-Autos immernoch offen. Momentan können die Batterien der meisten E-Autos 52Kilowattstunden speichern. Damit können manche Modelle schon knapp 390km zurücklegen. Doch das soll sich schon bald ändern. So hat sich die Speicherkapazität der Batterien in den letzten 10 Jahren verdoppelt, während der Preis der E-Autos sinkt. Hersteller werben mit neuen Lithium-Ionen-Akkus, die mit Hilfe eines neuen Fertigungsverfahrens nicht nur mehr Leistung haben, sondern auch weniger ungefährliche Materialien verwenden und somit weniger kosten sollen. Binnen zehn Minuten soll dann Energie für über 700km geladen werden. Jedoch werden die meisten dieser Batterien in China hergestellt. Deutsche Standorte für Batterieentwicklung sind bereits geplant und sollen in den nächsten Jahren weiterhin ausgebaut werden.

Mehrere Unternehmen, darunter der Stellantis Konzern, zu dem Marken wie Opel, Fiat und Peugeot zählen, planen, ab 2030 nur noch reine E-Autos zu verkaufen.

Was passiert nun mit den herkömmlichen Benzinern und Dieselfahrzeugen ab 2030? Gehören all diese nun verschrottet?
Geplant war, ab 2035 nur noch Neuwagen zuzulassen, die komplett CO2-frei funktionieren. Doch dies grenzt an das Unmögliche. Momentan ist im Gespräch, auch Verbrenner zuzulassen, die E-Fuels tanken. An einer rechtlichen Grundlage dafür wird jedoch immernoch gearbeitet.

Solange all diese Fragen nicht geklärt sind, wäre eine Umstellung auf 100% erneuerbare Energien und eine komplette E-Auto-Flotte in Deutschland weder trag- noch umsetzbar. Millionen von Menschen, die sich ein E-Auto schlichtweg nicht leisten können oder für die es aufgrund ihrer infrastrukturellen Lage keinerlei Grund für die Anschaffung eines elektrischen Fahrzeuges gibt, würden somit aktiv vom Verkehr abgeschnitten werden. Der einzige Ausweg wäre dann auf die Bahn umzusteigen, was ebenso für viele Menschen weder attraktiv, noch problemlösend wäre. Für diese Menschen hat die Politik keine Alternativen und wie es aussieht auch kein Interesse.

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