„Der DB-Konzern schützt die Infrastruktur nicht- …er zerstört sie“ (Winfried Wolf, Sprecher „Bahn für alle“

„Für einen erfolgreichen Strukturwandel investieren wir auch in eine moderne Verkehrsinfrastruktur.“ So steht es im Koalitionsvertrag 2019/2024 für Sachsen. Geplant sind unter anderem die Elektrifizierung mehrerer Bahnstrecken, der Ausbau des Bahn- und Schienennetzes, sowie die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene. Jedoch sind bis zum heutigen Stand, April 2022, diese Ziele weder erreicht, noch ist man groß bei der Realisierung vorangekommen.

Der „Integrierte Bericht 2021“ beschreibt die Situation aber um einiges rosiger. Auf 80 Seiten werden abgeschlossene Projekte gepriesen und Hoffnung auf schwarze Zahlen, weitere Investitionen und Angebote geweckt. Dem gegenüber steht der „Alternative Geschäftsbericht der Deutschen Bahn 2020/21“, verfasst vom Bündnis „Bahn für alle“, einer Organisation verschiedener DB-kritischer Bahn- und Fahrgastverbände. In ihrer eigenen Recherche prangern sie eine gewisse Planlosigkeit, widersinnige und koalitionsvertragsmissachtende Praktiken, sowie Missmanagement und Fehlinvestitionen an.

Tatsächlich wird bereits vom „Zerstörungswerk der Bahn“ gesprochen. „Der DB-Konzern schützt die Infrastruktur nicht, wie in der Verfassung verlangt, er zerstört sie“, so Winfried Wolf, Sprecher von „Bahn für alle“.

Das Ziel, Schienennetze auszubauen und eine bessere Vernetzung des Bahnverkehrs zu gewährleisten, wurde bisher nicht nur verfehlt, sondern dem wurde auch tatkräftig entgegengewirkt: seit der Bahnreform 1991 sei das Netz um 19% von 41.000 auf 33.000 betriebe Streckenkilometer geschrumpft, heißt es im Alternativen Geschäftsbericht. Die Länge der Gleise büßte um 21% ein, die Zahl der Weichen und Kreuzungen gingen um 54% zurück und die Infrastrukturanschlüsse verloren über 80%. Die Negativentwicklung zeigt sich aber auch in den Fahrgastzahlen. Diese sind in den vergangenen zwei Jahren auf ca. 80Millionen eingebrochen, während 2019 noch über 150 Millionen Menschen befördert wurden. Insgesamt wurden allein im Jahr 2020 111 Streckenkilometer außer Betrieb gestellt.

Aber nicht nur der Ausbau des Schienennetzes ist eingebrochen, sondern auch die Finanzen. Während der Umsatz der Bahn im Jahr 2021 um 18% auf ein historisches Allzeithoch von 47,3 Milliarden Euro stieg, erwirtschaftete der Konzern zugleich ein Minus von 911 Millionen Euro nach Verlusten von fast 5,7 Milliarden Euro im Vorjahr.

Um weiteren Negativtrends entgegenzuwirken, peilt man für 2022 ca. 150Millionen Fahrgäste an. Um diese jedoch für den Bahnverkehr zu gewinnen, werden widersprüchliche Signale gesendet: die Partner-Bahncard, die Menschen durch attraktive Einstiegsangebote auf die Schiene holen sollte, wurde aufgrund der tiefroten Zahlen in der Jahresbilanz 2021 abgeschafft. Um die roten Löcher zu stopfen, sollen nun die Preise erhöht werden, Gehälter gekürzt und die Finanzen durch bahnfremde Konzerntöchter unterstützt werden. Trotz dieser schlimmen wirtschaftlichen Lage ließen sich 3500 Bahn-Manager ihre Erhöhung der Fixgehälter um mitunter 10%,  fast eine Million Euro Jahresumsatz für den DB-Chef, sowie lukrative Zulagen nicht nehmen.

Weiterhin kritisiert der „Alternative Geschäftsbericht“ eine falsche Priorisierung ihrer Projekte. Besonderer Fokus soll in Zukunft gelegt werden auf Investitionen im Bereich der Wärme- und Sonnenbeschichtung der Fenster, sowie dem Ausbau der Digitalisierung, um jedem Fahrgast Internet zu ermöglichen. Auf die bereits bestehenden Probleme, wie der Verspätung von fast 25% aller Fernverkehrszüge, defekte Toiletten, fehlender Kaffee im Bordbistro, etc wird nicht eingegangen. Auch marode Infrastruktur, fehlende Anbindungen, das verwirrende Preissystem mit immer weiter steigenden Tarifen, werden nicht erwähnt.

Es wird Zeit für eine transparente, zielführende und bürgerorientierte Herangehensweise der Bahn. Das Minimum ist es, sich an die im Koalitionsvertrag festgelegten Ziele zu halten und den Verkehr für alle zugänglich, erschwinglich und nutzbar zu machen.

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