ADAC gegen Radstreifen auf Leipziger Innenstadtring

Die Verkehrswende ist ein zentrales Thema der heutigen Politik. Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung drückt deswegen ein fragwürdiges Projekt durch: den Leipziger Innenstadtring komplett für Radfahrer freizugeben und nur eine Spur für Autofahrer zu lassen.

Geplant ist, den westlichen Innenstadtring Leipzigs für Radfahrer zu öffnen und den Autoverkehr auf eine Fahrspur zu reduzieren. Diese Maßnahme solle nicht nur mehr Sicherheit im Straßenverkehr für Radfahrer mit sich bringen, sondern auch eine Verringerung der Schadstoffemissionen eine bessere Vernetzung der Stadtteile für Radfahrer.

Dass dem nicht so ist, beklagt nun der ADAC. In einem Brief des ADAC an den Leipziger Oberbürgermeister wird betont, dass dieses Projekt das langjährig funktionierende Verkehrssystem zerstöre und die Erreichbarkeit der Arbeitsstätten, Geschäfte und Parkhäuser erschwere.

Desweiteren handele es sich um „[eine] kleine Gruppe [von] fordernden Radfahrern, die lautstark mit gefährlichen Aktionen wie am Hauptbahnhof und auf dem Innenstadtring Forderungen stellen“ und die „mehr Gehör [findet] als die große Gruppe von Verkehrsteilnehmern mit 268000 zugelassenen Kfz, die sich mit Aktionen zurückhalten“, so in dem vom ADAC Vorstandsmitglied Helmut Büschke unterzeichneten Schreiben.

Der Leipziger Innenstadtring verbindet auf 3,6km in vier bis sechs Spuren 10 einspurige Hauptstraßen miteinander und ist ein zentrales Organ der Leipziger Infrastruktur für zahllose Menschen, die diese Verbindung jeden Tag nutzen.

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Verkehrseinschränkungen auf Hauptstraßen nicht den gewünschten Effekt einer verringerten Verkehrsbelastung mit sich bringt, sondern tatsächlich das Gegenteil tritt ein: verkehrsruhige Nebenstraßen werden dann als Ausweichmöglichkeit genutzt, weswegen der Verkehr nicht nur stockt, sondern unkoordiniert und chaotisch werden würde.

Der mangelnde Platz für Autofahrer würde zu langen Staus auf der einspurigen Straße führen, was widerrum negative Auswirkungen auf Schadstoff- und Lärmbelastung mit sich bringt. Hinzukommt, dass jährlich rund 5000 neue Kraftfahrzeuge in die Leipziger Straßen einfließen, weswegen sich die Verringerung der Spuren deutlich bemerkbar machen würde. Der gewünschte Nebeneffekt, nämlich, dass mehr und mehr Autofahrer auf ihr Fahrzeug verzichten und stattdessen auf das Fahrrad oder den ÖPNV umsteigen, ist unwahrscheinlich, da sehr viele Menschen nicht auf ihr Auto verzichten können.

„Das Auto ist nach wie vor das beliebteste Verkehrsmittel, es wird bundesweit für den Großteil aller Wege genutzt und mit ihm werden auch weiterhin die meisten Kilometer absolviert. In Corona-Zeiten nutzen nur noch in der Regel die Menschen den öffentlichen Verkehr, die keine Alternative haben.“, so heißt es weiterhin im Brief des ADAC.

So würden, nach Sicht des ADAC, besonders junge Eltern, die ihre Kinder zu Kitas, Schulen oder außerschulischen Aktivitäten bringen müssen, aber auch ältere Menschen, die aufgrund ihres Alters das Fahrrad nicht mehr nutzen können und auf das Auto angewiesen sind, um am kulturellen gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, sehr stark unter dem Projekt leiden. Auch viele Bürger in Randlagen, wie Engelsdorf oder Rückmarsdorf, benötigen ihr Auto, um eine unabhängige Anbindung an die Innenstadt zu haben.

Aufgrund der Änderungen würde der KFZ-Verkehr vom Leipziger Promenadenring verdrängt werden, obwohl der Mittelring, der als Alternative angedacht ist, noch nicht ausgebaut ist und bis 2030 laut Prognosen nicht fertiggestellt sein wird.

Trotz der zahlreichen Gegenargumente und Warnungen gehen diese Maßnahmen einigen nicht weit genug. Der Leipziger Umweltbund Ökolöwe fordert, dass die neue Radverbindung noch weiter geführt und ausgebaut wird, beispielsweise in Karl-Tauchnitz-Straße und Harkortstraßen, sowie um den Leipziger Hauptbahnhof. Diese würden eine bessere Verbindung an die Südvorstadt gewährleisten, während der neue Radweg in der Karl-Tauchnitz-Straße eine attraktive Ost-West-Verbindung schaffen würde.

Das wäre aber nicht das Endziel der Aktivisten. Gefordert wird, dass der Innenstadtring in einen autofreien grünen Park verwandelt wird und komplett dem Radverkehr freisteht. Der Autoverkehr müsste demzufolge komplett über den Außenring abgewickelt werden.

Die Diskriminierung der Autofahrer geht weiter und findet weder Grenzen, noch Ende.

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