„Letzte Generation“: Festgeklebt am Asphalt das Klima retten

Durch gefährliche Aktionen machen sie auf sich aufmerksam: die sogenannten „Umweltaktivisten“ der „Letzten Generation“. Sie kleben sich auf befahrenen Straßen fest, gehen in öffentlichen Hungerstreik und verteilen abgelaufene Lebensmittel, die sie aus dem Müll gefischt haben, an Passanten- alles im Namen des Kampfes gegen den Klimawandel.

Alleine im Jahr 2022 wurden über 416 Straßenblockaden in ganz Deutschland gezählt. Besonders betroffen von diesen „Aktionen“ waren Hamburg mit 213 gezählten Fällen und Berlin mit 149 Blockaden alleine dieses Jahr. Aber werden diese Protestaktionen wirklich die gewünschten Veränderungen mit sich ziehen?

Bisher sind viel Frust und Wut zu beobachten- sowohl auf der Seite der Protestierenden, als auch auf der Seite der unfreiwilligen Opfer dieser „Klimarettungsaktionen“. Jedes Mal, wenn sich Anhänger der Protestbewegung auf Straßen festkleben, bleibt der gesamte Verkehr stehen. Erst, nachdem die Polizei es geschafft hat, die Demonstranten von den Flächen zu lösen und von den Straßen zu entfernen, wird ein stabiler Verkehrsfluss wieder gewährleistet. All diejenigen, die sich zu diesem Zeitpunkt leider in ihrem Auto befanden, mussten warten- mitunter Stunden. Die Schäden, die diese Aktionen mit sich ziehen, sind immens.

Viele Autofahrer sind empört und zurecht genervt von diesen Aktionen. Sie selbst werden von den Klimaprotestlern dämonisiert und im wahrsten Sinne des Wortes ausgebremst. Für die Belange der Autofahrer kein Verständnis seitens der Aktivisten.

Man könnte argumentieren, dass die Proteste durchaus wichtiger seien, als die tägliche Routine von Menschen. Es gehe hier schließlich um das Klima. Aber diese Ansicht ist im besten Fall arrogant, im schlimmsten Falle böswillig.

Den Verkehr zu blockieren bedeutet nicht nur, alle Beteiligten zu behindern. Es bedeutet, dass Menschen nicht rechtzeitig zur Arbeit können und dadurch eventuell ihr Job ohne ihr eigenes Verschulden gefährdet wird. Es bedeutet, dass Läden, Supermärkte, Apotheken, Restaurants, etc nicht beliefert werden können. Es bedeutet, dass Dienstleister, wie Klempner, Hausmeister, Maler, Handwerker, aber auch Rettungssanitäter, Polizisten, Krankenwagen und Pflegedienste nicht mehr zu ihren Zielen gelangen können. Es bedeutet, dass Menschen, die dringend einen Termin wahrnehmen müssen, aufgrund des Aktivismus diese Termine nicht wahrnehmen können, egal ob es sich um das erste Bewerbungsgespräch oder den letzten Besuch eines geliebten Menschen im Krankenhaus handelt.
Man fragt sich, ob die Demonstranten mit einbezogen haben, dass die Straße nicht für Notfälle gesperrt werden darf und ob sie bereit sind, unter anderem das Leben von Menschen zu opfern für einen halben Tag verlorener Aufmerksamkeit.
Besonders prekär: es werden mehr Abgase in die Umwelt abgegeben, wenn Autos im Leerlauf stillstehen. Mit ihren Blockaden schaden die Aktivisten also nicht nur allen Beteiligten, sondern auch der Umwelt, die sie vermeintlich zu schützen versuchen.

Sich für die vermeintlich richtige Sache einzusetzen, legitimiert nicht sofort alle Mittel, um das Ziel zu erreichen. Dies ist ein Fakt, bei dem sich die Mehrheit aller demokratisch eingestellten Menschen einig sind. Nur radikalisierte Gruppen meinen, ihr Ziel sei wichtiger als das Leben anderer Menschen. Kann man bei der „Letzten Generation“ bereits von einer radikalisierten Gruppe sprechen? Ja, meint Soziologe Harald Welzer.

„Wenn sich eine Generation als „Letzte Generation“ bezeichnet, dann stellt sie sich außerhalb der Geschichte und hat, aus welchen Gründen auch immer, das Gefühl, dass nach ihnen nichts mehr kommt, wenn sie jetzt nicht geschichtsmächtig werden. Das ist natürlich eine völlig irre Konstruktion – das kann noch kein Mitglied einer Generation von sich behaupten, dass nach ihm oder ihr nichts mehr kommt. Das ist eine vollkommene Borniertheit gegenüber all dem, was danach noch kommen wird, egal, unter welchen Umständen die Leute dann leben werden. Hier zeigt sich schon, dass das eine Hybris ist, eine Form von Selbstermächtigung auf der Grundlage einer vollkommen absurden Legitimation.“

https://www.ndr.de/kultur/Letzte-Generation-Klimaschutz-Gruppe-absurde-Legitimation,letztegeneration100.html

Politischer Diskurs und Mitbeteiligung sind Grundrechte, die in unserer Verfassung für jeden Bürger fest verankert und geschützt sind. Jeder hat das Recht, sich zu engagieren, eine Partei zu gründen und seine Meinung offen kundzutun- solange niemand dabei gefährdet wird. Die Unversehrtheit von Körper und Seele ist aber ein Menschenrecht, dessen Achtung ein indiskutabler Aspekt in unserem zivilisierten Leben darstellt. Diesen nicht zu würdigen, ist nicht nur grob fahrlässig, sondern in seiner Natur absolut unmenschlich. Soziologe Harald Welzer meint dazu:

„Es gibt Provokationen wie vom Zentrum für Politische Schönheit oder von der Gruppe Peng!, die mit satirischen Formen versuchen Aufmerksamkeit zu erzeugen. Das hier ist etwas anderes. Ich habe sogar für das Grundanliegen sehr große Sympathien: Ich bin auch für eine verbesserte Klimaschutzpolitik, und ich finde auch Essen wegzuschmeißen überhaupt nicht gut. Aber ich kann doch alles das, was ich tue, nicht damit begründen, dass ich mich selber überhöhe und für mich in Anspruch nehme, für alle anderen zu sprechen. Das ist zutiefst antidemokratisch. Deshalb finde ich solche Versuche infantil.“

https://www.ndr.de/kultur/Letzte-Generation-Klimaschutz-Gruppe-absurde-Legitimation,letztegeneration100.html

Ob die Gruppe mit ihren Protestaktionen Erfolg haben wird, das Klima zu retten, ist mehr als fragwürdig. Demokratische Politiker egal welcher Partei sind in der Pflicht, die demokratische Ordnung zu wahren und sich nicht von rechtswidrigen, menschenverachtenden und -gefährdenden Aktionen manipulieren und erpressen zu lassen. Sich für Umweltschutz zu engagieren, ist nobel und richtig. Jedoch ist dies der falsche Weg.

Gegen die Aktivisten soll jetzt wegen Nötigung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr ermittelt werden.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s